Kommentar: Großaspach statt München

Kommentar: Großaspach statt München

Ach, wie war das schön! Als ich angefangen habe, hier zu studieren, war ganz Paderborn im Freudentaumel, man spielte in der 1. Bundesliga und das gar nicht mal so schlecht. Schon die Aufstiegssaison ein Jahr davor war sensationell. Bilder von feiernden Paderbornern dominierten die Sportschau und unsere kleine Großstadt war landesweit in aller Munde. Bundesligastadt, „lass ma #erstklassig bleiben“ und weitere Aktionen zeigten dabei, dass die Stadt sich mit dem SCP identifizierte. Selbst an der Uni in meiner O-Woche sprach jeder nur vom Aufstieg, sogar der Uni-Präsident wurde nicht müde dieses Thema in seine Willkommensrede mit einfließen zu lassen. Ein halbes Jahr lang gab es dann weiter Euphorie in Paderborn. Es gelangen gute Spiele und wichtige Punktgewinne gegen etablierte Bundesligateams und der SCP konnte sich sogar zu Saisonbeginn kurzzeitig in der Spitzengruppe festsetzen. Unvergessen ist auch das Tor von Moritz Stoppelkamp aus über 80 Metern, welches wahrscheinlich noch eine ganze Zeit lang in den Geschichtsbüchern der Bundesliga auftauchen wird. Dieses Tor ist aber auch das einzige, was an ein erstklassiges Paderborn auf lange Zeit erinnert. Die Ortseingangsschilder mit dem Zusatz Bundesligastadt mussten wieder abmontiert werden und Paderborn fand sich im Abstiegskampf wieder. Trotz guter Leistungen reichte es am Ende nicht und man stieg ab.

Alles, was nach dem Abstieg passierte, war beschämend für den SCP und machte ihn von dem kleinen Verein, welcher den Bundesligatraum ein Jahr lang ausleben durfte, zur großen Lachnummer. Nach dem Abstieg folgte der Ausverkauf. Viele Spieler hatten auf der großen Bühne gestanden und wollten nicht wieder in der Versenkung, also der zweiten Bundesliga, verschwinden. So musste man viele gute Spieler abgeben und es wurde so langsam klar, dass der Wiederaufstieg ein unrealistisches Ziel war. Das Team musste sich unter dem neuen Trainer erstmal finden, denn auch Aufstiegstrainer Breitenreiter verließ Ostwestfalen, nur um ein Jahr später in Gelsenkirchen entlassen zu werden. Die Saison in Deutschlands zweithöchster Spielklasse lief ebenfalls alles andere als optimal. Es gab Niederlage um Niederlage und man holte den „Tiger“. Stefan Effenberg sollte die Wende bringen, doch auch ein „Tiger“ konnte der Mannschaft nicht helfen. Abseits des Platzes machte der SCP weitere Negativschlagzeilen. Stürmer Nick Proschwitz vergaß im Trainingslager, dass er eigentlich Fußballer ist und schwang in bester Baseballmanier mit seinem gottgegebenen Schläger rum. Sportlich gesehen gelang dem SCP auch in der Rückrunde nicht der große Wurf und sie stiegen am Ende der Saison aus Liga zwei ab.

Der SCP hat also damit den umgekehrten Darmstadt-Weg geschafft und ließ sich direkt bis in Liga drei durchreichen. Tatsächlich läuft es jetzt in Liga drei minimal besser für den SCP, denn sie stehen nicht auf einem Abstiegsplatz. Momentan sind die Paderborner in einer sehr engen Liga auf Platz 16. Klingt vielleicht im ersten Moment schlecht, aber bis zum ersten Abstiegsplatz, welcher bei 20 Mannschaften in Liga drei der 18. Platz ist, sind es noch vier Punkte Abstand. Bis zum dritten Platz sind es allerdings auch nur lediglich fünf Punkte. Um in dieser Saison nicht noch einmal abzusteigen, sollte man sicherheitshalber die Heimbilanz verbessern. Es gab erst zwei Siege in der Paderborner Wellblechhütte  und auch im DFB-Pokal musste man sich zuhause gegen Sandhausen geschlagen geben. Ich für meinen Teil hoffe, dass sich der Paderborner Fußball langsam wieder rehabilitiert und man den Weg zurück zum Erfolg findet. Vielleicht kann ich dann auch nochmal eine Aufstiegsparty und gute Stimmung hier erleben, auch wenn es nur in die zweite Liga hoch geht. Bis dahin heißt der Gegner weiterhin SG Sonnenhof Großaspach anstatt Bayern München.

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