Was sich „Hinter Türen“ verbirgt

Was sich „Hinter Türen“ verbirgt

Eine Graphic Novel über die Gewalt gegen Frauen

Anna Wegener hat grade ihr Volontariat in einer Lokalzeitung begonnen, da stößt sie auf einen verlorenen gegangenen Leserbrief, der sie direkt vor ihre erste Herausforderung als Journalistin stellt. Eine ältere Dame namens Inge Berger berichtet von jahrelanger Misshandlung durch ihren Mann, doch als Anna persönlich eine Antwort an die Dame überbringen will, muss sie erfahren, dass diese unter ungeklärten Umständen gestorben ist.

Die Graphic Novel „Hinter Türen“ klärt über häusliche Gewalt auf, Quelle: www.Hilfetelefon.de

Die Graphic Novel „Hinter Türen“ klärt über häusliche Gewalt auf, Quelle: www.Hilfetelefon.de

Der Fall ist Fiktion und doch ist er maßgeblich durch die Realität beeinflusst.

In Zusammenarbeit mit dem Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ haben die beiden renommierten Comiczeichner Isabel Kreitz und Stefan Dinter eine Graphic Novel verfasst, die unter dem Titel „Hinter Türen“ als Webcomic kostenlos veröffentlicht wird. Insgesamt soll die Geschichte vier Kapitel umfassen, von denen bis jetzt drei erschienen sind und das letzte am 17. November erscheinen wird.

Thema ist, wie man sich denken kann, Gewalt und Sexismus gegen Frauen in den unterschiedlichsten Formen, denen Anna im Verlauf der Handlung begegnet und die sie selbst erfährt. Zugegeben, die Handlung ist teilweise vorhersehbar, doch Unterhaltung ist sowieso nicht das Ziel einen solchen Projektes. Es ist die Aufklärung.

Diese wird vor allem über die Figuren vermittelt. Es gibt keine außergewöhnlich attraktiven Helden, wie sie sonst so häufig in Comics anzutreffen sind. Die dargestellten Personen sind Durchschnittsmenschen, wie sie jeder kennt. Rein äußerlich nicht besonders herausstechend. Dafür Verhalten sie sich aber so glaubhaft, dass sie geradezu aus dem Leben gegriffen erscheinen. Dem Leser ist es leicht möglich, bestimmte Charaktertypen in seinem Umfeld und sich selbst wiederzuerkennen. Keine der Handlungen wirkt übermäßig gestellt. Selbst der Plot, der natürlich, um die Leser immer wieder auf die Kernproblematik hinzuweisen, die Themen Gewalt und Sexismus gegen Frauen aufgreift, bleibt stets schlüssig. Den Autoren gelingt es hervorragend zwischen einer logischen Handlung und dem Ziel, der Thematik die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Die Geschichte um Anna Wegener und Inge Berger ist keine bloße Illustration eines Problems, welches manche in unserer Gesellschaft nicht wahrhaben wollen. Die Website des Comics bietet außerdem Informationen zum Angebots des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ für Betroffene und deren Freunde und Angehörige. Gleichzeitig werden aber auch harte Fakten und Statistiken in den Raum gestellt. So ist heute noch immer ein Drittel der Frauen in Deutschland von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen und zwei Drittel aller Frauen geben an, schon einmal Opfer von sexueller Belästigung geworden zu sein, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Zahlen sprechen für sich, aber sie sprechen wohl oft nicht laut genug. Wo Fakten scheitern, diesem sensiblen Thema eine Stimme zu geben, da bekommen sie in der Fiktion von „Hinter Türen“ gleich mehrere, die sich an den beiden Protagonistinnen festmachen.

Was die Graphic Novel so offen kritisiert, ist nicht nur die Gewalt gegen Frauen als solche, sondern auch die Reaktionen von Zeugen dieser Gewalt. Ein Klaps auf den Po oder ein anzüglicher Spruch, werden viel zu selten ernst genommen, teilweise werden Frauen sogar aufgefordert, sie als Komplimente anzuerkennen. Und auch wenn wohl keiner öffentlich behaupten würde, er oder sie würde es gutheißen, wenn eine Frau geschlagen wird, wer kann ehrlich sagen, dass er die Polizei ruft, wenn Geschrei aus der Nachbarwohnung hört oder in sonst einer Form Zeuge von Gewalt wird?

Es sollte wohl noch erwähnt werden, dass sich das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, wie der Name schon deutlich macht, natürlich an weibliche Opfer von Sexismus und Gewalt richtet. Daraus sollte natürlich niemand schließen, dass es nicht auch Frauen gibt, die Gewalt gegen Männer ausüben. Außerdem kommt es auch in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, innerhalb von Familien oder auch im Freundeskreis zu Formen von Gewalt. Im Grunde leider überall. In keinem Fall aber hat jemand das Recht, das Leiden eines Opfers zu verharmlosen oder zu bagatellisieren und ein Betroffener sollte sich wiederum ebenfalls nicht scheuen, sich Hilfe zu suchen und diese auch anzunehmen.

Auch wenn es sich in der vorgestellten Geschichte konkret um Frauen in der ‚Opferrolle‘ dreht, ist die Message des Ganzen eine Allgemeine: Gewalt darf nicht „Hinter Türen“ versteckt werden. Opfer werden kann jeder, akzeptieren sollte dies aber keiner.

Info:

Die Graphic Novel kann auf der Website www.hinter-tueren.de gelesen werden.
Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, finden außerdem Hilfe und Informationen unter www.hilfetelefon.de und unter der kostenlosen Telefonnummer 08000116016. Auch Zeugen von Gewalt gegen Frauen finden dort Unterstützung.

Öffentliche Polizeistellen sind außerdem ein Anlaufpunkt für Opfer von ausnahmslos jeder Form von Gewalt unabhängig des Geschlechts, des Alters oder der Herkunft.

Sie sind jederzeit über den Notruf 110 zu erreichen.

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