Streitkultur oder Provokation?

Streitkultur oder Provokation?

Streit, der gehört in jede demokratische Gesellschaft. Ohne Streit kann man weder seine Werte vertreten, noch irgendeinen Kompromiss in wichtigen Problemfragen finden. Streiten ist also eine ganz und gar konstruktive Sache – sollte man meinen. Doch es passiert gerade in sozialen Medien, aber auch anderenorts, dass anstelle eines konstruktiven Streits über Themen diskutiert wird, die eigentlich schon längst im öffentlichen Diskurs verhandelt wurden.

Es geht um Personen, die Streit provozieren, sei es u.a. zum Thema Flüchtlinge, Feminismus oder Sexualität. Diese Themen polarisieren, doch warum? Im Grunde weiß doch jeder, dass man nicht alle Menschen über einen Kamm scheren kann, dass Frauen und Männer unabhängig ihrer sexuellen Orientierung gleichgestellt sind und auf diesem Recht beharren dürfen. Und wer das nicht weiß, der kann einfach im Grundgesetz nachschlagen.

Doch es geht gar nicht darum, dass diese Themen generell polarisieren. Manche Menschen werden immer abstruse Meinungen vertreten, die man leicht mit einem Verweis auf geltendes Recht, als Unsinn identifizieren kann. Es geht darum, wie gestritten wird.

In manchen Toilettenkabinen der Uni findet man z. B. Graffitis mit teils schlicht bösartigem Inhalt, manchmal homophob, manchmal islamophob, immer widerlich. Wie viel Hass muss in einem Menschen stecken, damit er so etwas in bester Grundschulmanier an eine Wand kritzelt? Vor allem, was will er oder sie damit bezwecken?

Die Antwort ist traurig und einfach: Provokation. Es geht nicht länger darum, seine Sorgen in klare Worte zu fassen und mit anderen fair darüber zu diskutieren. Es geht nur darum abzuwarten, wie andere auf so eine Aktion reagieren. Mal abgesehen davon, dass es sich um Vandalismus handelt, liegt das Problem hier darin, dass die Reaktionen, egal ob sie den Verfasser solcher Hassnachrichten bestätigen oder kritisieren, immer einen Verstärkungseffekt haben. Andere lesen sie erst recht mit und schreiben selbst ihre Kommentare dazu. Schlimmer noch: Egal auf welcher Seite man steht, es scheint völlig berechtigt zu sein, auf Hass und Beleidigungen auf dieselbe Art und Weise zu antworten. Die wenigen besonnenen Argumente gehen dabei völlig unter. Im Übrigen scheint es jedem egal zu sein, dass irgendjemand diese Graffitis auch wieder wegmachen muss.

Das gleiche Phänomen in verstärkter Form findet man auch in den sozialen Medien. Doch hier gibt es immerhin   theoretisch einen Ausweg: Einfach den Hasskommentar melden und sonst nicht weiter auf ihn reagieren. Auch wenn nicht sicher ist, wie die Betreiber der Websites nun mit dem Kommentar weiter verfahren, kann dadurch zumindest versucht werden, diese sinnlose neue Streitkultur zu stoppen.

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