Mythos meets Indie-Folk

Mythos meets Indie-Folk

2010 veröffentlichte SingerSongwriterin Anaïs Mitchell das Album Hadestown. Dort verhandelt sie den antiken Mythos von Orpheus und Eurydike ganz neu. Eben dieses Album bekam 2016 eine Musical-Adaption zu der 2017 dann auch ein Live Original Cast Recording veröffentlicht wurde.

Cover von Hadestown

Anders als beim 2010er Ursprungswerk, dessen Songs noch sehr viele metallische Klänge enthielt, fällt die Musical Version deutlich poppiger und rhythmischer aus, auch wenn beide hauptsächlich in Richtung Indie-Folk gehen. Leider haben es nur 21 der 32 Musical Nummern auf die Aufnahme geschafft. Die Geschichte, welche die Figuren in eine Endzeit-Dystopie angelehnt an die große Depression der 1930er versetzt, wird verkürzt. Der Großteil bleibt aber noch erhalten. Sie weicht übrigens deutlich von der mythologischen Vorlage ab, nicht nur was das Setting, sondern auch was einige Plotpoints und zentrale Elemente der behandelten Mythen betrifft. Eurydike wird nicht von einer Schlange gebissen, sondern steigt freiwillig in die Unterwelt hinab; Persephone und Demeter verschmelzen zu einer Figur und werden zur missverstandenen Ehefrau des Hades. Die beiden Paare Orpheus & Eurydike, Hades & Persephone stehen einander kontrastierend gegenübergestellt. Beide Beziehungen stehen dabei kurz vorm Scheitern. Einmal weil der Sänger Orpheus es nicht schafft, seine Liebste im Winter zu versorgen; ein anderes Mal, weil Hades, halbjährlich verlassen von seiner Frau, den Hades zur titelgebenden Industriestadt ausgebaut hat, was der Naturgöttin natürlich weniger gefällt. Die Ursprungsmythen werden zum fesselnden Beziehungsdrama, der größten Stärke der Musical-Adaption.

Während das erste Hadestown noch leicht schaurig aufwartet, lässt die Musical Adaption Zuschauer und Zuhörer mitfiebern, ob die Tragödie nicht vielleicht doch ein gutes Ende nehmen könnte. Noch dazu trifft die Besetzung wie die Faust aufs Auge. Gerade Patrick Page als Hades sticht mit seiner Bass-Stimme hervor und sorgt für Gänsehautmomente beim Zuhören. Besonders präsent in den Stücken Chant I und II reißt der Unterweltfabrikant mit in eine Welt zwischen den Zwängen der Macht und der unerfüllten Leidenschaft.

Wer es in nächster Zeit nicht nach London oder New York schafft, um sich eine Aufführung des Musicals anzusehen, der sollte in die Aufnahme reinhören und den Mythos neu erleben.

Musik Hadestown: The Myth. The Musical.
Künstler Anaïs Mitchell
Genre Musical
Wertung 4 von 5 Musiknoten

 

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