Kommentar: Was war nochmal im Mai?

Kommentar: Was war nochmal im Mai?

Die Antworten auf diese Frage können sehr vielseitig sein, von Vatertag bis Pandemie bieten sich genug Möglichkeiten. Mental Health Awareness Month wird sich sicherlich nicht unter den Vorschlägen finden, denn hier in Deutschland nehmen wir vieles wahr, aber nicht die psychische Gesundheit. In den anglo-amerikanischen Ländern ist das anders. Dort gibt es Veranstaltungen, das britische Königshaus setzt sich sehr für die mentale Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein, es ist ein offener Diskurs über diese Themen möglich und der Mental Health Awareness Month ist nicht das einzige Event im Jahr, das die grüne Schleife (das Zeichen für Solidarität mit Betroffenen) trägt. Nur in Deutschland flüstert man „Ich habe Therapie“, falls man überhaupt ein Wort darüber verliert.

In der Leistungsgesellschaft wird es allgemein als Schwäche angesehen, wenn die Psyche erkrankt. Zumal die meisten psychischen Krankheiten nicht sichtbar sind. Dabei sollten wir alle mit einer offeneren Einstellung an diese Themen herangehen, denn psychische Erkrankungen sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es spricht nur kaum jemand darüber. Doch gerade jetzt, mitten in der Corona-Krise, sollten wir das ändern. Denn in dieser Zeit laufen wir alle Gefahr, dass unsere Psyche leidet. Durch Vereinsamung, durch die Angst vor Ansteckung und einem schweren Verlauf, durch die Angst vor dem Tod von geliebten Menschen. Durch das unzählige Händewaschen und Desinfizieren, die Panik vor Bakterien und Viren.

Als Betroffene hoffe ich und glaube ich, dass in diesen letzten Wochen und Monaten mehr Menschen verstehen konnten, wie es sich anfühlt, wenn Angst, Trauer und Panik Teil des Lebens sind und einfach nicht mehr weggehen, weil die Kontrolle fehlt. Ich wünsche mir, dass wir aus der Corona-Krise, die inmitten des Mental Health Awareness Month stattfand und immer noch andauert, lernen, dass jeder von uns fragil ist und wir im Angesicht des Unkontrollierbaren eine Möglichkeit suchen, Halt zu finden. Wir dürfen nicht verurteilen, wir müssen akzeptieren und vor allem müssen wir das Stigma um psychische Erkrankungen beenden. Denn es braucht keine Pandemie, um jeden treffen zu können.

Die Meisten wissen nicht, dass Mental Health Awareness Month ist. Aber jeder weiß, dass es psychische Krankheiten gibt und es ist unsere Aufgabe, diesem Thema mit demselben Respekt, Mitgefühl und auch etwas Neugierde zu begegnen, wie wir es auch mit physischen Krankheiten tun.

Neuen Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Formatierter Kommentartext

  • Erlaubte HTML-Tags: <a href hreflang> <img src alt height width> <em> <strong> <p> <br /> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Eingeschränktes HTML

  • Erlaubte HTML-Tags: <a href hreflang> <em> <strong> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type> <li> <dl> <dt> <dd> <h2 id> <h3 id> <h4 id> <h5 id> <h6 id>
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.
CAPTCHA
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.