Kolumne: Pragmatisch, realistisch, isoliert

Kolumne: Pragmatisch, realistisch, isoliert

Es ist schon seltsam, wie ein Virus einer Gesellschaft den Boden unter den Füßen wegziehen kann. Berlin, das letzte Woche noch voller Leben, Bargelächter und Späti-Geflüster war, ist innerhalb von einer Nacht zum braven kleinen Schuljungen mutiert, der sich jetzt mal so richtig benehmen muss. Blöd ist nur, und das wissen vor allem diejenigen, die es schon durchhaben, wenn man von alledem nichts mitbekommt.

Der Horror der Quarantäne – der Moment, in dem sogar ich anfange die Fenster zu putzen, schlicht und einfach weil sie meine einzige Verbindung zur Außenwelt sind. Was fängt man mit sich an, wie schüttelt man diese Dauermüdigkeit ab, und vor allem: Wem kann man die Schuld dafür geben und sich endlich so richtig schön aufregen? Gute Frage, schwierige Antwort. Doch egal ob es Fahrlässigkeit, richtig blödes Pech oder eine Mischung aus beidem ist: Wenn man einmal isoliert ist, dann wird einem nach und nach alles gleichgültig und man will nur eins:  Ein Ende in Sicht. Wenn mir dann morgens der Experte im morgendlichen Podcast erklärt, dass in einer Pandemie die Stärkung des psychischen Immunsystems, unserer „Resilienz“, unabdinglich ist: Non, merci! Denn wenn ich ehrlich bin, dann habe ich einfach nur Sehnsucht. Nach dem guten alten Boden, auf dem ich fest mit beiden Füßen stehe. Nach der alten Normalität, von der ich schon gar nicht mehr weiß, wie sie sich anfühlt. Trotz alledem komme ich immer und immer wieder zu dem Schluss: Es könnte viel schlimmer sein (alte Kamelle, ich weiß). Ich bin privilegiert, ich bin gesund und wenn ich krank bin, bekomme ich Hilfe. Ich habe keine finanziellen Sorgen.

Hilft nicht viel, ich weiß. Aber irgendetwas Gutes muss ja aus diesen zwei Wochen entstehen, und wenn es nur ein bisschen Realismus und Pragmatismus ist. ICH HASSE CORONA!(ras)

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