Die Sache mit der Angst – Corona Edition

Die Sache mit der Angst – Corona Edition

Wir hören den ganzen Tag Nachrichten. Von Inzidenzzahlen und Reproduktionswerten, von fahrlässigen Menschen auf Demos und unangebrachten Vergleichen.

Die Angst, Corona zu
bekommen, wird abgelöst durch die Angst, jemand anderen in Gefahr zu bringen.

Wir sehen den ganzen Tag Gruppen in der Stadt und Masken, die falsch oder gar nicht getragen werden, Leute umarmen sich, geben sich die Hand und treffen sich mit zehn verschiedenen Personen an drei Tagen.

Das sehen wir. Wen wir nicht sehen, das sind die, die nur abends einkaufen gehen, weil sie sich tagsüber nicht wohl fühlen, weil es zu voll ist. Die, die sich lieber einmal mehr die Hände waschen, als einmal zu wenig und die beim leisesten Halskratzen Horrorgedanken bekommen, wen sie wohl alles angesteckt haben könnten, und die sich den ganzen Tag über mit Verzweiflung und Schuldgedanken quälen, während von außen kein Verständnis kommt und sie belächelt, wenn nicht sogar ausgelacht und als Spinner betitelt werden.

Eine Pandemie mit einer Angststörung zu erleben, ist eine andere Erfahrung. Dauerstress, der zur Belastungsprobe wird. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Ängsten ist Corona weder irrational noch allzu unwahrscheinlich. Es ist da.

Die Angst, Corona zu bekommen, wird abgelöst durch die Angst, jemand anderen in Gefahr zu bringen und das immer abwechselnd, manchmal auch gleichzeitig. Die Haut ist rau und rissig vom zu vielen Waschen und das Sozialleben eingefroren und auf Online-Kontakte reduziert, um sich keiner Gefahr auszusetzen.

Wie man sich bei so vielen Gedanken noch auf die Uni konzentrieren soll? Eine berechtigte Frage. Die Konzentration ist das erste, was gravierend leidet und leider auch das, was am meisten gebraucht wird.

Aber das Schlimme ist oft nicht die fehlende Konzentration oder die Einsamkeit. Das Schlimme ist, nach draußen zu gucken und alle anderen Menschen zu sehen, die fast normal ihrem Alltag nachgehen. Man wünscht sich, dass die ein bisschen mehr Rücksicht nähmen, damit man selbst etwas weniger Angst haben kann.

„Wenn du so viel Angst hast, dann bleib doch zuhause!“, habe ich zu Beginn der Pandemie im April gehört, als ich Abstand halten wollte.

Und jetzt bin ich zuhause und bleibe zuhause und jetzt ist das auch wieder falsch, weil „man kann vor dem ja nicht ewig weglaufen, man darf nicht vor allem Angst haben“.

Und ich wünschte wirklich oft, ich hätte nicht vor allem Angst. Dann würde ich wesentlich gesünder durch den Lockdown kommen. Doch stattdessen ist jeder Tag ein Kampf gegen den eigenen Kopf und mit Corona hat man einen Gegner, der real existiert und sich nicht wegrationalisieren lässt.

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