Wie lange studierst du denn schon so?

Wie lange studierst du denn schon so?

Kennst du das: Du bist auf einer Familienfeier und unvermittelt fragt dich eine Tante, die du nur einmal im Jahr siehst, wie lange du denn noch studieren wirst. Dass du immer noch nicht fertig bist! Du musst doch mal Geld verdienen, Kind! So oder so ähnlich haben es vermutlich viele von uns schon mal gehört. Und sich dann selbst gefragt: Studiere ich nicht schon viel zu lang? Kriege ich jemals einen Job, wenn ich die Regelstudienzeit nicht einhalte oder nicht dreißig Praktika absolviert habe?

Andere wiederum studieren erst jahrelang, bis sie merken, dass das nicht klappen kann und ein Abschluss ferner erscheint als der Lottogewinn.

Dabei schaffen nur die wenigsten Studierenden ihr Studium in Regelstudienzeit. Gerade einmal um die 40 Prozent und damit weniger als die Hälfte. Und das ist auch kein Wunder, wenn man nebenher noch arbeiten muss (oder will), Praktika machen muss (oder will) und sich ehrenamtlich engagiert. Oder vielleicht macht man nichts dergleichen neben dem Studium, aber will einfach noch ein paar Jahre die Freiheit genießen und kann sich das leisten. Wenn man auf BAföG angewiesen ist, funktioniert das natürlich nicht so ohne weiteres. Ohne legitime Begründung und viel Papierkram kann man da nicht mal eben ein paar Semester dranhängen. Doch es gibt nicht nur das eine Modell: Abi, Studium in drei Jahren, vielleicht noch den Master dranhängen, BAföG bekommen oder ein paar Stunden in der Woche jobben, am Wochenende nach Hause zu den Eltern, Sonntagabend zurück in die kleine Einzimmerwohnung. So stellt man sich doch das typische Studentenleben vor. In Wirklichkeit ist jeder Student anders. Es gibt die, die direkt nach dem Abitur in die Studienstadt ziehen und sofort nach der Schule mit dem Studium beginnen. Gerade einmal 18 oder 19 sind sie und wissen oft genau, was sie erreichen wollen. Genauso oft studieren sie aber auch einfach nur, weil „man das eben so macht“. Und weil Studium erst einmal mehr Freiheiten verspricht als eine Ausbildung. Viele merken dann nach einem oder zwei Semestern, dass der Studiengang nicht der richtige ist oder Studieren an sich nicht zu ihnen passt. Wenige geben auch schon nach einigen Wochen auf. Andere wiederum studieren erst jahrelang, bis sie merken, dass das nicht klappen kann und ein Abschluss ferner erscheint als der Lottogewinn. Manche wollen das aber unbedingt erreichen, auch noch nach Jahren halten sie an ihrem Studium fest. Jeder ist diesem einen Kommilitonen schon einmal begegnet, der schon so lange studiert, dass man sich ganz plötzlich so vorkommt, als habe man sein eigenes Studium total gut im Griff. Vielleicht studiert man ja disziplinierter, wenn man vorher schon eine Ausbildung gemacht hat und schon im Berufsleben stand. Viele, die sich nach der Ausbildung noch für ein Studium entscheiden, haben ihr Ziel genau vor Augen: In ihrem Berufsfeld einen besseren Job ergattern. Grundsätzlich gilt eben: Wer studiert, verdient am Ende mehr. Wenn man mit dem Hochschulabschluss in der Tasche dann eines fernen Tages mal vor einem Personaler sitzt und gefragt wird, warum man denn viel länger als üblich studiert hat, sollte man schon eine gute Antwort haben. Manche fragen vielleicht auch gar nicht nach, weil es sie eher interessiert, dass man sich sozial engagiert hat oder sich an der Hochschulpolitik beteiligt hat. Menschen, die spät studieren, nach der Ausbildung, die öfter das Studienfach wechseln als die Reifen an ihrem Auto oder unmotiviert sind; Menschen, die hochinteressiert sind und bei denen Master und Doktorarbeit wie automatisch folgen oder welche, die lieber arbeiten als studieren: Es gibt sie alle. Wie bei allem anderen gilt auch hier, dass eine Selbstreflexion nicht schaden kann: Studiere ich wirklich das Richtige? Sollte ich nebenher arbeiten oder mich doch lieber endlich mal mehr auf das Studium konzentrieren? Ist vielleicht doch eine Ausbildung besser für mich? Jeder Lebenslauf sieht anders aus und es hilft nichts, sich zu vergleichen und unter Druck zu setzen. Aber einen guten Grund für das was man tut (oder nicht tut), sollte man immer haben.

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