Interview: Solidarität bleibt im Gedächtnis

Interview: Solidarität bleibt im Gedächtnis

Seit Oktober 2019 steht Sharlene Frammelsberger an der Spitze des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Uni Paderborn. In der jüngsten Sitzung des Studierendenparlaments wurde sie als Vorsitzende wiedergewählt. Im universal-Interview spricht sie über ihre bisherige Amtszeit und die Pläne für die kommenden Monate.

Der AStA-Vorstand: (v.l.n.r.) Leonard Heimann (Finanzen), Sharlene Frammelsberger (Vorsitz), Andreas Schwengel (stellv. Vorsitz und Presse) und Leonie Niemerg (stellv. Vorsitz und Marketing). Foto: AStA Universität Paderborn
Der AStA-Vorstand: (v.l.n.r.) Leonard Heimann (Finanzen), Sharlene Frammelsberger (Vorsitz), Andreas Schwengel (stellv. Vorsitz und Presse) und Leonie Niemerg (stellv. Vorsitz und Marketing). Foto: AStA Universität Paderborn

universal: Was war der schönste Moment in deiner bisherigen Amtszeit?

Sharlene Frammelsberger: Es gibt nicht den einen herausragenden Moment, vielmehr bleiben diverse kleine Momente in Erinnerung. Natürlich gibt es hier auch Highlights wie den AStA Weihnachtsmarkt 2019. Das war mein erstes großes Event als AStA-Vorsitzende und auch das erste Event für das damals noch frische Team. Erstmals haben wir hier alle gemeinsam an einem Strang gezogen und sind als Gruppe zusammengewachsen. Durch den Ausfall unserer Präsenzveranstaltungen vermisse ich die vielen persönlichen Begegnungen mit der Aktivenschaft und Studierenden sehr. Zudem wird mir immer im Gedächtnis bleiben, wie solidarisch wir mit der Universität und der Universitätsgesellschaft zu Beginn der Pandemie kooperiert haben, um den Corona-Hilfsfonds ins Leben zu rufen als die Politik noch monatelang um finanzielle Hilfen stritt.

universal: Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist es ruhig geworden auf dem Campus, das Studium findet hauptsächlich von Zuhause aus statt. Wie hat sich die Arbeit des AStA seitdem verändert?

Sharlene: Natürlich war die Umstellung auf rein digitale Zusammenarbeit zu Beginn der Pandemie eine Herausforderung. Da wir im AStA unsere Arbeit aber schon länger über Microsoft Teams organisieren, waren die zu nehmenden Hürden eher gering. Was aber definitiv fehlt, ist die Spontaneität auf sozialer Ebene. Vor Corona haben sich Ideen und Projekte teilweise eher zufällig entwickelt, zum Beispiel durch Pausengespräche an der Kaffeemaschine. Diese fallen jetzt natürlich komplett weg, weil wir uns weitestgehend über feste Termine organisieren und die Pausen im Homeoffice allein verbringen. Andererseits sind Kommunikationswege an manchen Stellen auch kürzer geworden. Ich habe das Gefühl, dass die Teilnahme an Gremiensitzungen (auch außerhalb des AStA) vom Digitalen
profitiert.

universal: Auch der Austausch mit Studierenden ist schwieriger geworden. Mit welchen Anliegen wenden sich die Studis an euch und hast du das Gefühl, im Moment alle Studierenden erreichen zu
können?

Sharlene: Auch vor der Corona-Pandemie verlief die Kommunikation mit der breiten Studierendenschaft eher digital. Aber wie oben schon erwähnt, fehlt natürlich aktuell vor allem das Face-to-Face. Die Studierenden wenden sich derzeit vor allem an uns, wenn sie Antworten auf die aktuellen Unsicherheiten brauchen: Also wie steht es um Lehre und Prüfungen im aktuellen Lockdown? Welche Teile der Uni sind aktuell zugänglich? Zu Beginn der Pandemie wandten sich viele vor allem mit finanziellen Sorgen an den AStA, dies ist aber spürbar zurückgegangen.

universal: Als du das Amt der AStA-Vorsitzenden übernommen hast, hast du dir als Ziel gesetzt, die Verhandlungen bezüglich des Semestertickets voranzubringen. Warum habt ihr diese Verhandlungen angestoßen und an welchem Punkt steht ihr inzwischen?

Sharlene: Für ausführliche Informationen zu unserer Motivation kann ich hier nur auf das Video-Statement vom 22. November verweisen, das auf der AStA-Website und unseren Social-Media-Kanälen zu finden ist. Die Studierenden der Uni Paderborn tragen seit Jahren unnötige finanzielle Lasten, die wir nur durch die Kündigung und anschließende Neuverhandlung des NRW-Semestertickets erzielen können. Diese Ungerechtigkeit wollen wir korrigieren. Wir befinden uns hier derzeit im Verhandlungsprozess und sobald es handfeste Informationen gibt, werden wir diese an die Öffentlichkeit tragen.

universal: Welche Pläne habt ihr außerdem für die kommenden Monate?

Sharlene: Wir wollen vor allem den Informationsfluss noch weiter erhöhen. Dafür starten wir demnächst auch mit einem monatlichen Newscast, um interessierten Studierenden einen stetigen Überblick über die wichtigsten Themen der Hochschulpolitik zu geben. Darüber hinaus werden wir auch weitere Aufklärungskampagnen zu Themen wie z.B. Semesterticket und Copyservice durchführen. Die letzte allgemeine Studierendenumfrage hat leider gezeigt, dass vielen Studierenden nicht bewusst ist, wie essentielle Bestandteile ihres Studienalltags funktionieren. Zudem werden wir einige digitale Veranstaltungen durchführen im Rahmen von FORUM, hoffentlich kann auch der für 2020 geplante TEDx im Sommer 2021 stattfinden. Und zum Sommersemester wollen wir die Erweiterung des Study Space im 4. OG des AStA Stadtcampus fertigstellen, wo 55 neue Lernplätze in Stillarbeits-, Gruppen- und Projekträumen entstehen. Ebenso entsteht dort auch eine kleine Sportfläche.

universal: Einige Initiativen und Projektbereiche haben mit großen Nachwuchssorgen zu kämpfen und aktuell nur wenig Möglichkeiten, Projekte zu verwirklichen und sich zu präsentieren. Ist studentisches Engagement zur Nebensache geworden oder wichtiger denn je?

Sharlene: Ich würde schon sagen, dass studentisches Engagement nun wichtiger denn je ist. Initiativen und Projektbereiche, aber auch Fachschaftsräte, stärken das Zugehörigkeitsgefühl zur Universität. Dies fehlt vor allem den aktuellen Erst- und Zweitsemestern, die die Uni bisher nur aus dem Homeoffice kennen. Ich kann natürlich die vielen Studierenden verstehen, die in dieser schwierigen Zeit den “Tunnel des Pflichtstudiums” nicht verlassen wollen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Die Aktivenschaft braucht aber dringend engagierten Nachwuchs, das Engagement von motivierten Studis in z.B. Initiativen und Projektbereichen, aber auch im AStA, ist keine Selbstverständlichkeit.

universal: Worauf freust du dich am meisten, wenn die Pandemie vorbei ist und die Uni in den
Normalbetrieb zurückkehrt?

Sharlene: Auf einen lebendigeren Campus mit buntem Kulturprogramm, auf Kommiliton*innen, die sich guten Gewissens wieder umarmen können und vor allem auf eine Zeit mit mehr Gewissheit. Die aktuelle Situation, das stetige Hangeln von einer Coronaschutzverordnung zur nächsten, das ist für alle, also Studierende, Lehrende, Mitarbeiter*innen, AStA und Hochschulleitung eine nervenaufreibende Zeit.

universal: Was möchtest du den Studierenden mit auf den Weg geben?

Sharlene: Unser Klempner hat letztens zum Abschied gesagt: “Immer schön negativ bleiben!” ;) Ich glaube es ist am wichtigsten, dass wir alle die Hoffnung in dieser schwierigen Zeit bewahren. Bessere Zeiten werden wieder kommen. Natürlich ist der Weg dorthin nicht einfach, gemeinsam schaffen wir das aber. Und wenn Ihr Fragen, Anregungen, Kritik oder Feedback habt, dann zögert bitte nicht, Euch beim AStA zu melden!

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