Die Sache mit dem C-Wort

Die Sache mit dem C-Wort

Nein, sag es nicht. Ich will es nicht mehr hören und ich kann es nicht mehr sehen.

Wissen ist Macht,
aber zu viel Wissen ist Machtlosigkeit.
Man braucht eine gesunde Distanz

Jeden Tag versuche ich, morgens nicht mein Handy mit dem ersten Blick auf die Push-Nachrichten direkt aus dem Fenster zu werfen.

Ich habe alles versucht. Ich habe Musik gehört, wenn Nachrichten liefen, habe das Internet ausgestellt, habe aufgehört, Zeitung zu lesen und höre seit 14 Monaten kein Radio mehr, wenn ich Auto fahre. Was bedauerlich ist, denn wie erfahre ich jetzt von hipper Musik, die ich mir in die Playlist packen will? Gar nicht.

Was ich aber eigentlich gar nicht erfahren möchte, sind die Inzidenzzahlen, sind die Intensivbetten, die Todesfälle, Long-Covid-Nachrichten und Quarantänestorys.

Und trotzdem bekomme ich all das mit. Die Nachrichten finden mich.

Ich weiß alles. Von den neusten Regelungen bis hin zu den gängigen Nebenwirkungen der einzelnen
Vakzine.

Ich weiß alles. Mutationen, Testmöglichkeiten, Rechte und Pflichten.

Ich suche nicht danach. Ich werde gefunden. Und ich kann nicht mehr. Ich kann einfach nicht mehr.

An manchen Tagen ist das so.

Und an anderen Tagen recherchiere ich freiwillig, lese Artikel über Impftourismus und Intensivbetten, über Erfahrungsberichte und schaue nach, wo die Inzidenz liegt. In jeder deutschen Stadt.

An manchen Tagen geht es mir gut. Da gehe ich auf in dem ganzen Wahnsinn. An manchen Tagen ist das alles nicht so schlimm, die Ohnmacht aushaltbar.

Und mir stellt sich die Frage nach dem Wieso. Wieso geht es manchmal?

Und ich bin der Sache auf den Grund gegangen. Wissen ist Macht, aber zu viel Wissen ist Machtlosigkeit. Man braucht eine gesunde Distanz. Das heißt: Ich muss nicht jeden Tag alles wissen. Nachrichten-Apps bleiben Tabu, was mich findet, das findet mich. Aber das, was ich unvermeidlich erfahre, das kann ich auch nüchtern und distanziert betrachten. Und das Wichtigste ist: Ich kann mit Freund*innen darüber reden. Wie ich mich fühle, welche Ängste ich habe und welche Hoffnungen mich umtreiben. Ich habe gelernt, dass das Schlimmste, was ich tun kann, ist: alleine damit klarkommen.

Also: Wie verliert man während der Pandemie nicht den Verstand? Man sucht sich Menschen, die einem suchen helfen und ihn dann ordentlich festkleben. Und man redet. Ganz viel. Und lässt Gefühle zu.

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