Buchkritik: Sally Rooney wird politisch … oder auch nicht

Buchkritik: Sally Rooney wird politisch … oder auch nicht

Titel: Schöne Welt, wo bist du?
Autorin: Sally Rooney
Genre: Coming-of-Age-Fiktion
Wertung: 2 von 5 möglichen Büchern

Sally Rooneys neues Buch „schöne Welt, wo bist du?“ wurde von ihr selbst als politisches Buch angekündigt. Nun ist es da und es geht um, nun ja … Menschen, die miteinander schlafen, sich trennen, wieder zusammenkommen und ja, auch um Politik. Irgendwie.

Cover des Buches "Schöne Welt, wo bist du?" von Sally Rooney, Quelle: claassen
Cover des Buches "Schöne Welt, wo bist du?" von Sally Rooney, Quelle: claassen

Der jungen Autorin, die schon Preise in Debattierwettbewerben gewann und in einem Interview sagte, sie suche nach einem Weg, ein „marxistisches Buch“ für unsere heutige Zeit zu schreiben, scheint ihre Risikofreudigkeit abhandengekommen zu sein. Die Aussagen ihrer Charaktere sind mit Nachdruck antikapitalistisch, aber wie genau sie sich ein marxistisches System in unserer Welt vorstellen, wird nicht weiter beschrieben, zu einem Aufeinanderprallen von gegensätzlichen Weltbildern kommt es überhaupt nicht. Das alles kennt man schon von den Vorgängern. Wie so oft bei Rooney kommt man nicht um das Gefühl herum, dass sie hinter ihrem Potential zurückbleibt.

Allgemein hat das Buch die typischen Sally Rooney-Schwächen: sobald sie ernstere Themen anspricht, wird überflogen, rausgezoomt und der Charakter plötzlich von außen betrachtet. Diese Nüchternheit ist wohl einerseits ein Stilmittel, aber enttäuschend ist es an vielen Stellen trotzdem.

Interessanterweise weist sie im Roman auf die Oberflächlichkeit ihrer Romane selbst hin und reflektiert sie nun. Der Charakter Alice hat dasselbe erlebt wie Sally Rooney: Auch sie hat ein erfolgreiches Buch geschrieben, und überraschenderweise hadert sie mit dieser Rolle der Bestseller-Autorin erstaunlich stark. Hier wird das Buch richtig interessant, weil wir scheinbar Sally Rooney selbst sprechen hören: „Habe ich dir erzählt, dass ich keine zeitgenössischen Romane mehr lesen kann? […] Ich glaube, es liegt daran, dass ich zu viele der Leute kenne, die sie schreiben. Ich sehe sie die ganze Zeit auf Festivals, wie sie Rotwein trinken […] Und dann sind sie wieder weg und schreiben ihre sensiblen kleinen Romane über das „normale Leben“. Meine eigene Arbeit, und das versteht sich von selbst, ist der schlimmste Missetäter in dieser Hinsicht.“

Trotzdem muss man auch sagen, dass es, wie alle ihre Bücher, sehr unterhaltsam ist. Vielleicht ist der Hype einfach nur ein bisschen zu groß geworden. Zum Nachdenken regen die Bücher zwar nicht an und wie wir nun wissen, weiß die Autorin das anscheinend nur zu gut selbst, aber zum Entspannen und Wohlfühlen an verregneten Herbsttagen eignen sie sich perfekt.

Neuen Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Formatierter Kommentartext

  • Erlaubte HTML-Tags: <a href hreflang> <img src alt height width> <em> <strong> <p> <br /> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Eingeschränktes HTML

  • Erlaubte HTML-Tags: <a href hreflang> <em> <strong> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type> <li> <dl> <dt> <dd> <h2 id> <h3 id> <h4 id> <h5 id> <h6 id>
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.
CAPTCHA
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.