Kommentar: Ist es das wert?

Kommentar: Ist es das wert?

Wie die meisten Studierenden war auch ich hocherfreut als es hieß, dass wir für das Wintersemester wieder auf den Campus zurückkehren dürfen. Endlich würde ich meine Kommiliton:innen wiedersehen. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass es gewisse Kurse gibt, in denen man in Präsenz einfach mehr und besser lernt. Dennoch war ich skeptisch, immerhin ist die Pandemie noch nicht überwunden.

Durch die Bändchen und das Dauertragen von Masken sollte das Infektionsrisiko eingeschränkt werden. Natürlich ist es wichtig, dass man sich impfen lässt, um die Symptome abzuschwächen. Gleichzeitig wissen wir dadurch jedoch nicht, ob nicht doch jemand mit dem Virus im gleichen Raum sitzt. Gerade in den Seminaren ist der Mindestabstand einfach nicht einzuhalten, eingezwängt in viel zu kleinen Räumen sitzen wir und tragen brav unsere Masken. Auf den Fluren tragen wir unsere Masken. Insbesondere jetzt, mit den unaufhaltsam steigenden Zahlen, trauen wir uns schon gar nicht mehr, diese abzusetzen. Dabei soll man die FFP2-Maske nicht mehr als 75 Minuten tragen und danach 30 Minuten Pause machen. Bei einer Vorlesungslänge von 90 Minuten wird das schon schwierig. Auch die 30 Minuten sind nicht einzuhalten, hat man nur genau so lange, um von einem Kurs zum anderen zu kommen. Auch auf dem Weg zur Uni, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, trägt man die Maske dauernd. Während am Anfang des Semesters die medizinische Maske überwogen hat, sehe ich heute immer häufiger die FFP2-Maske. Hinzukommen bestimmte Seminare, in denen die Anwesenheit überprüft wird : Man darf zwei Mal fehlen, ansonsten gilt der Kurs als nicht bestanden. Dies verleitet Studierende, trotz Erkältungssymptomen, die Uni zu besuchen. Dieses zweimalige Fehlen kann durch ein Attest verlängert werden, jedoch sind sich nicht alle der genauen Regelungen bewusst. Was ist, wenn wir uns in der Uni anstecken? Wen stecken wir dann zu Hause an?

Seit Monaten schon halten wir uns an die Vorgaben und Regeln der Regierung, haben unsere Kontakte stark eingeschränkt und uns zu Hause eingeigelt. Dass es möglich ist, ohne Präsenz zu lernen, wurde in den letzte anderthalb Jahren bewiesen. Aber wie steht es um die psychologischen Auswirkungen des Kontaktmangels? Durch die steigenden Zahlen wird das Privatleben vermehrt eingeschränkt. Als Erstes kommt die 2G-Regel für bspw. Kinobesuche. Wenn die Ursache für den starken Anstieg jedoch gar nicht an diesen Orten liegt, wird das Infektionsgeschehen dadurch auch nicht eingedämmt. Vielmehr steigt die Frustration bei denen, die sich schon seit Pandemiebeginn zurückhalten, die Regeln befolgen und (wenn möglich) sich haben impfen lassen. Gleichzeitig gefährdet der aktuelle Trend auch das Studium. Zum Beispiel für die Lehramtsstudierenden mit dem Fach Englisch stellt die aktuelle Situation eine große Herausforderung dar. Um das Studium abzuschließen, muss ein dreimonatiger Auslandsaufenthalt absolviert werden. Vorher wird das Bachelorzeugnis nicht ausgehändigt. Nun gab es bereits die Sonderregel, dass man trotzdem in den Master übergehen darf, den Aufenthalt aber vor Anmeldung der Masterarbeit ableisten muss. Wie aber soll das gehen? Ich habe letztens noch mit einer Kommilitonin gesprochen, die einen Platz an einer Partnerhochschule in Irland hat. Bei den steigenden Zahlen zweifelt sie jedoch daran, ob dies wirklich zu Stande kommen wird. Und was dann?

Was bringt es uns, wenn wir bis Weihnachten krampfhaft versuchen die Uni offen zu halten, wenn wir dann während der Feiertage wieder nur im kleinen Kreis feiern dürfen, die Krankenhäuser überlastet sind und wir uns, trotz der Impfung, in der Uni nicht mehr sicher fühlen? Jeder Unitag bereitet mir Sorge, weil ich nicht weiß, ob meine Sitznachbar:innen infiziert sein könnten und ob ich das im Fall der Fälle überhaupt erfahren würde, damit ich entsprechende Maßnahmen ergreifen und mich und meine Mitmenschen schützen kann.  In den meisten Schulen wird mindestens dreimal die Woche getestet, um einen Coronaausbruch zu verhindern. Wie ist es hier? Würden wir einen Ausbruch überhaupt bemerken?

Neuen Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Formatierter Kommentartext

  • Erlaubte HTML-Tags: <a href hreflang> <img src alt height width> <em> <strong> <p> <br /> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Eingeschränktes HTML

  • Erlaubte HTML-Tags: <a href hreflang> <em> <strong> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type> <li> <dl> <dt> <dd> <h2 id> <h3 id> <h4 id> <h5 id> <h6 id>
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.
CAPTCHA
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.