In eigener Sache: Keine Rücksicht auf die Presse. Der AStA schmeißt uns raus!

In eigener Sache: Keine Rücksicht auf die Presse. Der AStA schmeißt uns raus!

Als der AStA Stadtcampus im Mai 2017 feierlich eröffnet wurde, war die Euphorie groß. Mit einer Veranstaltungsfläche, einem Seminarraum und seit einiger Zeit auch Arbeitsflächen im 4. und 5. Obergeschoss sollte das studentische Leben in die Paderborner Innenstadt gebracht werden. Zusätzlich gefördert werden sollte dies durch einige studentische Initiativen, denen dort ein Zuhause gegeben wurde. Eingezogen sind die Kickerliga, MTP, der Fachschaftsrat Pop, die ASV, DMMK und eben auch wir, die Studierendenzeitung universal.

 Pressefreiheit ist ein wichtiges Gut unserer Demokratie. Um darauf aufmerksam zu machen, hat das Bundesfinanzministerium im vergangenen Jahr eine Sonderbriefmarke herausgegeben. Quelle: BMF
Pressefreiheit ist ein wichtiges Gut unserer Demokratie. Um darauf aufmerksam zu machen, hat das Bundesfinanzministerium im vergangenen Jahr eine Sonderbriefmarke herausgegeben. Quelle: BMF

Zuvor hatte der AStA aktiv um Initiativen geworben, sodass wir unseren viel zu klein gewordenen Raum in P9 dankbar gegen den deutlich größeren im Stadtcampus eintauschten.

Seitdem bietet dieser der universal ein redaktionelles Zuhause, in dem wir unsere Ausgaben gemeinsam kreieren, Artikel schreiben, Interviews führen, layouten, redigieren, lektorieren und diskutieren oder durch Workshops und Infoabende Studierenden journalistische Arbeit näherbringen.

Der AStA hat jetzt andere Pläne. Die Büros der studentischen Initiativen sollen zu einem Co-Working-Space umfunktioniert werden. Man verspricht sich davon, eine breitere Studierendenschaft zu bedienen. Grundsätzlich ist es keine schlechte Idee, das Engagement an der Uni Paderborn zu fördern und Treffpunkte für Initiativen zu schaffen. Für die universal bahnt sich hier jedoch eine Katastrophe an.
Was bedeuten die Pläne für uns konkret? Stand der Dinge ist, dass wir in Zukunft kein eigenes Büro mehr haben werden. Unser bisheriger Raum wird zu einem Medienraum umgewandelt, in dem wir bestenfalls unser gesamtes Equipment lagern können. Zugesichert werden konnte uns dies bislang noch nicht. Für Redaktionssitzungen, Präsenzkorrekturen und andere wichtige Treffen müssten wir fortan hoffen, einen der geplanten Meetingräume buchen zu können. Die Betonung liegt hierbei auf hoffen, denn wir können uns nicht darauf verlassen, dass immer einer frei ist, wenn wir ihn brauchen. Nun stellt der AStA die Erwartung an uns, unsere Arbeitszeiten zu kanalisieren und weit im Vorfeld abschätzen zu können, wann wir wohl einen Raum für unsere Tätigkeiten benötigen. Diese Erwartungen können wir nicht erfüllen. Wir können unsere Arbeitszeiten nur bedingt kanalisieren und müssen uns auch spontan treffen können. Viele Ereignisse sind nämlich nicht vorhersehbar.

Der AStA möchte der universal jedoch keine „Sonderrolle“ gewähren, um damit künftig verhindern zu können, dass andere Initiativen Anspruch auf einen eigenen Raum stellen.

Ohne eigenes Büro leidet unsere Arbeit in vielerlei Hinsicht. Für uns waren Präsenzsitzungen schon immer ein zentraler Bestandteil. Eine Zeitungsausgabe lässt sich am besten planen, wenn man Face-to-Face darüber sprechen, Ideen austauschen, Probleme diskutieren und Aufgaben verteilen kann. Kurzfristige Treffen bei wichtigen und vor allem hochschul-relevanten Themen, die wir in unserem Büro jederzeit durchführen konnten, wären dann wahrscheinlich nicht mehr möglich. Dies ist aber gerade nötig, um frei(e) Pressearbeit leisten zu können und nicht von einer dritten Partei abhängig zu sein. Diese Pressearbeit wollen wir leisten und sie ist durch Artikel 5 unseres Grundgesetzes geschützt.

An dieser Stelle mögen Skeptiker anmerken, dass wir unsere Meetings auch digital abhalten könnten. Schließlich müssten wir das in Zeiten der Corona-Pandemie ohnehin tun. Ja, das kann über einen gewissen Zeitraum funktionieren, wie unsere Ausgaben seit März 2020 zeigen. Es kann aber auch passieren, dass hierbei neue Probleme entstehen. Man denke nur an die massiven Störungen bei Vodafone im November zurück, welche jederzeit auch bei anderen Anbietern passieren können und digitale Konferenzen unmöglich machen. Die Bewältigung technischer Probleme ist zumindest bei uns keine Ausnahmeerscheinung, sondern hindert uns regelmäßig an unserer eigentlichen Arbeit. Vom Equipment, das jedes Redaktionsmitglied hierfür benötigt, gar nicht zu sprechen. Digitale Treffen dürfen weder als Standard noch als problemlose Alternative betrachtet werden.

Natürlich haben wir bereits das Gespräch zum AStA gesucht und stehen mit ihm im Austausch. Und um Eines direkt klarzustellen: Bei der technischen Ausstattung der Konferenzräume haben sich die Referent*innen durchaus Gedanken gemacht. Aber was nützt die beste Technik, wenn wir nicht damit arbeiten können, weil alle Räume belegt sind? Auch Geschmäcker sind bekanntlich unterschiedlich. Dass der praktische Nutzen und Effizienz bei der Einrichtung im Vordergrund stehen und kreative Zeitungsarbeit nicht berücksichtigt wurde, lässt sich dennoch nicht bestreiten.

Wie unsere Bedürfnisse aussehen, sollte aufmerksamen Leser*innen inzwischen klar geworden sein. Umso bedauerlicher ist es, dass diese anscheinend nicht beim AStA angekommen sind bzw. nicht berücksichtigt werden sollen. Im Gegenteil, uns wurde sogar Rücksichtslosigkeit vorgeworfen, weil wir partout nicht auf unser Büro verzichten wollen. Hierbei möchten wir jedoch betonen: Von unserer Seite aus kamen Kompromisse. Wir haben vorgeschlagen, in einen anderen, etwa gleichwertigen Raum zu wechseln. Wir sind bereit, uns ein Büro mit einer anderen Initiative zu teilen oder es anderen Gruppen zur Verfügung zu stellen, wenn wir es nicht brauchen, solange wir ein redaktionelles Zuhause behalten. Das gebietet allein die Solidarität. Im Gegenzug erwarten auch wir Solidarität. Doch der AStA hat seine Pläne geschmiedet und uns wegen des auf einmal engen Zeitplans vor vollendete Tatsachen gestellt. Schließlich hätten wir seit längerem von der Umstrukturierung gewusst, aber zuvor keine Bedenken geäußert. Zum ersten Mal erwähnt wurde die Idee einer Umstrukturierung im Oktober 2018 bei der Wahl des AStA im Studierendenparlament. Konkrete Pläne wurden den Redaktionsmitgliedern der universal danach weder schriftlich noch persönlich mitgeteilt. Erst ein Jahr später im September 2019 kam die mögliche Umstrukturierung erneut zur Sprache – wieder während der AStA-Wahl. Kurz darauf versicherten zwei AStA-Mitglieder im Zuge einer Raumvergabe, dass MTP und DMMK ihre Räume auch nach der Umstrukturierung im Stadtcampus behalten würden (siehe StuPa-Protokoll 48_3). Nachdem immer wieder betonten Gleichheitsprinzip hätte das dann auch für die universal gelten müssen. Nun aber sollen alle Initiativen raus. Bis zu einer E-Mail im Januar, in der uns mitgeteilt wurde, wir mögen unser Büro doch bitte bis Ende Februar räumen, ist kein Mitglied aus dem AStA auf uns zugekommen, um uns ein Konzept vorzustellen oder uns in die Planungen miteinzubeziehen, um unsere Bedürfnisse kennenzulernen.

Leider sind all unsere Argumente und Kompromissvorschläge trotz vermeintlich ausgiebiger Diskussionen im AStA-Vorstand bislang ins Leere gelaufen. Die Pläne bleiben bestehen. Das Schlüsselwort seitens der Referent*innen war bislang Gleichbehandlung. Schließlich verlieren alle Initiativen ihr Büro am Stadtcampus und andere stehen sowieso ganz ohne da. Stimmt. Aber stimmt es auch, dass die am regulären Campus angesiedelten Initiativen jetzt aus ihren Büros geworfen werden? Wir hoffen nicht, da wir dies keiner Initiative und keinem Projektbereich wünschen.  Aber echte Gleichbehandlung funktioniert nicht nach dem Prinzip „Wir geben allen das Gleiche“. Stattdessen sollte dieser Grundsatz gelten: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“

Der Rauswurf aus dem Büro würde unweigerlich das zukünftige Ende der universal einläuten. Nach mehr als 20 Jahren, in denen wir stets aktuell und kritisch über das Hochschulgeschehen berichtet, rund 300 Ausgaben herausgebracht und nicht zuletzt während der Audimax-Besetzung eine wichtige Vermittlerrolle eingenommen haben, und für all das im vergangenen Jahr den Alumni-Preis „Ausgezeichnetes Engagement“ erhielten, wäre das für die Studierendenschaft ein herber Verlust.

(Die universal-Redaktion)

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